Geburtstagsempfang im „Bayerischen Hof“

 „Der Mythos lebt!“, zeigt sich Jens Marco Scherf überzeugt. Dieser ist Landrat im Kreis Miltenberg und einer von rund 60 geladenen Gästen, die am Dienstag dieser Woche Manfred Hofmann zu einem runden Geburtstag gratulieren konnten. Der Politiker bezieht sich eigentlich auf den Verein als Ganzes, aber seine Worte würden auch auf den Jubilar selbst zutreffen. Klar, dass der Name des Weltmeisters von 1978 und Handballer des Jahres 1979 auch dem ersten Mann im Landkreis etwas sagt, obwohl dieser erst 1974 geboren wurde und damit den ersten großen Markstein in der Karriere von Manfred Hofmann sogar verpasst hat. Schon 1973 wurde „Hoppes“ nämlich, noch auf dem Großfeld, erstmals deutscher Meister.

Noch miterlebt haben dürfte der examinierte Lehrer aus dem Landratsamt vielleicht die abschließenden Spiele des Torhüters. Nach vier weiteren deutschen Meisterschaften, einem deutschen Pokalsieg, zwei Triumphen im Europapokal der Landesmeister und einem Sieg im Supercup endete nämlich 1982 eine große Karriere. Wobei Großwallstadts Bürgermeister Roland Eppig bei derselben Veranstaltung die richtigen Worte wählt, wenn er davon spricht, wie sehr es gerade auch den Menschen Manfred Hofmann auszeichne, dass er danach immer wieder ausgeholfen habe: In den 1980er Jahren zweimal als Spieler in Situationen, in denen Not am Mann war, und danach als Mitinitiator der heutigen TVG-Junioren-Akademie sowie momentan als Trainer und sportlicher Leiter des Tabellenführers der dritten Liga Ost.

„Manfred gebührt unser uneingeschränkter Dank und unsere Hochachtung, weil er die Traineraufgabe ehrenamtlich macht“, so GmbH-Geschäftsführer Walter Klug, der einst mit Manfred Hofmann das erste Bundesligaspiel überhaupt des TVG bestritten hatte und sowohl bei seiner Installation in der Führungsebene des Drittligisten als auch bei der Feier treibende Kraft war.

Prominenz würdigt Jubilar

Um die Mittagszeit sind im Großwallstädter Vereinslokal, dem „Bayerischen Hof“, am Ortsrand der Gemeinde aber natürlich gerade auch längst vergangene Spielzeiten ein Thema. Sie leben vor den interessierten Gästen auf. Der Kreis der Gratulanten ist dabei sehr groß und reicht vom amtierenden Landrat Jens Marco Scherf und ehemaligen Mitglied des Deutschen Bundestages Norbert Geis über ehemalige Mitspieler wie Kurt Klühspies, Peter Meisinger, Udo Klenk, Claus Hormel, Winni Damm, Wolfgang Dümig und Horst Spengler bis hin zu den heutigen Schützlingen Florian Eisenträger, Dino Corak oder Lars Spieß. Auch Sponsoren, Zeitung und Fernsehen sowie die Entscheidungsträger aus dem eigenen Verein und Mitglieder des Fanclubs tummeln sich im Vereinsheim.

Einer, der Manfred Hofmann im Kreis der Geburtstagsgäste mit am längsten kennen dürfte, ist das langjährige Mitglied des Deutschen Bundestages Norbert Geis, der sogar in derselben Straße wie das Geburtstagskind aufgewachsen ist. Mit viel Respekt in der Stimme redet der 79-Jährige über den ehemaligen Schlussmann. Damit trifft er den Grundtenor anderer Grußworte. Besonders kritisch stellt der Ex-Politiker Norbert Geis die seinerzeitige  politische Entscheidung heraus, dass Deutschland nicht an den olympischen Spielen in Moskau teilnahm. Dadurch beendete Hofmann die internationale Karriere zu früh. Geis:“ Die Politik soll die Rahmenbedingungen für den Sport schaffen, aber ihn nicht  steuern. Sport hat viele verbindende Elemente.“  Klaus Zöll, Spieler und später Meistertrainer aus großen Tagen, erinnert an die gemeinsame Rückfahrt von einem Länderspiel und dem Verdacht der Polizei, zwei Terroristen in den heißen RAF-Zeiten in den 1970er Jahren im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen zu haben. Rasch schwindet dann allerdings die Furcht vor den beiden mit hunnenkriegerischen Zügen ausgestatteten Schnauzbartträgern, und das Interesse wird geweckt, wie denn nun eigentlich die Begegnung in Stuttgart ausgegangen sei.

Ein dankbarer Magier

Wobei dem anwesenden Vlado Stenzel, Trainerfuchs beim WM-Sieg 1978, Hofmanns Gefährlichkeit auf dem Spielfeld mehr als einmal zugutegekommen ist. „Ohne dich“, so sagt er, „wären wir damals nicht Weltmeister geworden.“ Gleichzeitig überreicht er einige frische Wurstwaren  aus eigener Herstellung. Um die Wurst ging es nicht nur häufig auf dem Spielfeld, wo Manfred Hofmann ganz entscheidenden Anteil an der großen Zeit des TVG hatte, sondern wohl auch neben dem Feld. Friedbert Eder, Geschäftsführer der Eder & Heylands Brauerei und zugleich neben dem TVG Gastgeber, bestätigt, dass auch ihm Hofmann und Co. einen wichtigen Weg geebnet haben. Sein damals noch designierter Schwiegervater sei ganz begeistert gewesen, als er erfahren habe, dass der Familienzuwachs aus der Nähe von Großwallstadt stamme. Natürlich war dem passionierten Handballer aus der Nähe von Bremen der TVG ein Begriff.

Auch an diesem Umstand hat Manfred Hofmann zentralen Anteil. Bis heute ist er aus dem Vereinsleben nicht wegzudenken, schon wegen seiner angenehmen Art, sehr unaufgeregt mit allem umzugehen und sich nicht selbst in den Mittelpunkt zu stellen. So war er noch am selben Abend im Training zu finden.

 

 

Bild mit Redner von links nach rechts: Bürgermeister Roland Eppig, TVG-Geschäftsführer Walter Klug, Jubilar Manfred Hofmann, Landrat Jens-Marco Scherff, Ex-Bundestagsabgeordneter Norbert Geis, Gastgeber Friedbert Eder, TVG Vorsitzender Bernd Sam.​
Bild Vlado Stenzel: Vlad schenkt seine Wurstspezialitäten.
Bild: Hofmann mit Vlado und Mannschaftskollegen Klühspies, Meisinger und Spengler
Bild: Hofmann mit Politik.
Hinweis: Alle Bilder fotografiert von:​ Wolfgang Zaeh., I-S-S- Support.
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