Ein verrücktes Spiel in Elsenfeld

Eigentlich, so hätte man wohl gemeint, versprach die Partie in Elsenfeld diesmal nur wenig Spannung. Mit dem TV Großwallstadt und dem TV Gelnhausen trafen nämlich am zweiten Spieltag der Rückrunde der Spitzenreiter und die derzeit in der Tabelle am zweitschlechtesten platzierte Mannschaft aufeinander. Das Endergebnis 28:19 scheint diese Annahme auf den ersten Blick noch weiter bestätigen zu können.

Wobei Großwallstadt zahlreiche Ausfälle von Leistungsträgern Sorgen bereiteten: Florian Eisenträger, Luis Franke, Tobias Raab, Lars Spieß und Mario Stark konnten nicht auflaufen. Somit war es gerade einmal noch ein Quartett – zwei Torhüter und zwei Feldspieler – die der Gastgeber zum Wechseln auf der Bank hatte. Vier Personen – so viele hat der andere TVG seit Ende 2017 auf der Trainerbank und zudem nach bislang zwei deutlichen Siegen im Januar jede Menge frisch erworbenes Selbstvertrauen im Gepäck.

Gäste beginnen beängstigend

Den zahlreichen fehlenden Spielern war es auch geschuldet, dass Großwallstadt mit einer höchst ungewöhnlichen ersten Sieben in die Partie ging. Mit Michael Spatz in der Mitte und Jan Winkler auf Halbrechts verfügte nämlich die Aufbaureihe der Bayern im Rückraum neben Niklas Geck über zwei Linkshänder. So recht wollten dann auch in den ersten Minuten die Rädchen des TVG-Getriebes noch nicht ineinander greifen. Gelnhausen nutzte dies eiskalt und die ansonsten sehr gute Stimmung in der sehr ordentlich besuchten Halle drohte zwischenzeitlich zugunsten der Hessen auszuschlagen. Nach dem Führungstreffer von Michael Spatz stellte der Gast durch vier unterschiedliche Torschützen auf 1:5 um.

Rasch zog Großwallstadts Trainer Manfred Hofmann den grünen Karton und nutzte eine einminütige Auszeit, um seine Spieler auf Kurs zu bekommen. Keiner in der Halle hätte wohl geahnt, dass der TV Gelnhausen zu diesem Zeitpunkt, als er frisch und ehrgeizig wirkte, schon mehr als ein Viertel seiner Gesamttore erzielt hatte. Der heimische TVG, der auf die Unterstützung seiner Fans auch in dieser kniffligen Phase setzen konnte, fing sich und hatte in der Folge vor allem drei Trümpfe: eine sehr gute Abwehr, einen sehr guten Torwart Stefan Koppmeier und einen sehr guten Kreisläufer Dino Corak. So glückte es dem TVG, über 5:8, 7:9 und 10:10 noch vor dem Halbzeitpfiff selbst in die Vorlage zu gehen.

TV Gelnhausen bricht ein

Die nach 24 Minuten erstmals seit dem 1:0 wiedergewonnene Führungsrolle sollte der Hausherr nun bis zum Schlusspfiff nicht mehr abgeben. Was allerdings auch damit zusammenhing, dass Gelnhausen gegen die nun massiv und sicher stehende Abwehr des Gegners im zweiten Durchgang überhaupt nur fünf Tore gelangen. „Für uns war überhaupt klar, dass wir nur über den Kampf heute kommen können“, sagte Tom Spieß nach der Begegnung, „und irgendwann ist es dann wie von selbst gelaufen.“ Großwallstadt unterstrich im zweiten Durchgang nämlich sein Können noch einmal nachdrücklich und hat nach dem 1:5-Zwischenstand letztendlich nahezu doppelt so häufig wie der Gegner getroffen. Dieser scheint nach wie vor stark genug zu sein, die Klasse zu halten – Gästetrainer Matthias Geiger sprach nach der Partie von einer „kleinen Delle“ in der Formkurve – nur eben ohne zwei Punkte vom bayerischen Untermain. Trainer Manfred Hofmann gab Torwarttalent Finn Zecher in der Schlussphase eine längere Einsatzzeit und der DHB-Jugendnationaltorhüter macht seine Sache sehr gut.

Großwallstadt in Baunatal

Die Chance, ein ganzes Dutzend Siege am Stück zu feiern, erhält Großwallstadt bereits am kommenden Samstag. Gastgeber ist dann, ab 18 Uhr, im nordhessischen Baunatal Mittelfeldvertreter GSV Eintracht Baunatal. Die einzige Mannschaft der Liga, die bisher in der Runde in Elsenfeld einen Sieg feiern konnte.

 

TV Großwallstadt – TV Gelnhausen 28:19 (15:14)

TV Großwallstadt: Koppmeier, Zecher, Kuģis; Spatz 13/10, Geck 3, Blank, Schnellbacher 2, Corak 5, T. Spieß 1, Winkler 2, Göpfert 2.

TV Gelnhausen: Lahme, Vöhringer; Schreiber 8/5, Jankovic 1, Zipf, Mocken 3, Gerst 2, Kulenovic, Bechert, Pape 2, Jambor, Müller, Botzenhardt 1, Eurich 2.

Zuschauer: 1527 in der Untermainhalle in Elsenfeld. – Schiedsrichter: Hehn/Tauchert. – Siebenmeter: 12/10:5/5 (Spatz vergab zweimal). – Zeitstrafen: 10:8 Minuten (T. Spieß zweimal, Schnellbacher, Corak, Winkler – Jankovic, Zipf, Kulenovic, Pape).

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