TVG läuft in Lübeck auf

Zwei Punkte, so hatte TVG-Trainer Florian Bauer womöglich auch noch unter dem Eindruck der über weite Strecken ausgesprochen bemerkenswerten Leistung gegen den TUSEM Essen am zurückliegenden Wochenende angekündigt, wolle seine Mannschaft nun auch aus den zwei anstehenden Auswärtsspielen mitnehmen. Dabei sind in Lübeck und Dresden allerdings durchaus hohe Hürden zu meistern. Nachdem das Heimrecht auf Wunsch des TVG getauscht wurde, findet nämlich zunächst das Aufeinandertreffen mit dem VfL Lübeck-Schwartau in der schleswig-holsteinischen Hansestadt statt, und erst im Mai wird der VfL seinerseits nach Elsenfeld reisen. Anwurf in der Lübecker Hansehalle ist am Samstag um 19 Uhr.

Die insgesamt knapp 1200 Kilometer lange Fahrt zur Nordsee und wieder zurück will der TVG ohne Übernachtung zurücklegen, aber dennoch während der 60 Minuten natürlich hellwach sein. Dies wird sicherlich auch nötig sein, läuft Großwallstadt doch bei einem der am stärksten eingeschätzten Teams der ganzen Spielklasse auf. Dabei profitiert der VfL übrigens auch ein kleines Stück weit von Großwallstadt.

Nachdem der TVG sich 2013 vorübergehend aus der zweiten Liga verabschieden musste, wechselte nämlich das in der Großwallstädter Akademie ausgebildete Talent Antonio Metzner die Seiten. Der großgewachsene und wurfstarke Rückraumspieler gilt als größtes deutsches Talent des Jahrgangs 1996 auf seiner Position im rechten Rückraum und hat sich längst im Unterhaus der Bundesliga etabliert. Der Linkshänder fiel jüngst wohl auch dem Erstligisten Erlangen auf, der ihn für die kommende Runde bereits unter Vertrag genommen hat. Ein Wiedersehen gibt es zudem mit Sebastian Damm. Der Linksaußen hat ebenfalls maßgebliche Abschnitte seiner Jugendzeit bei den heutigen TV Großwallstadt Junioren verbracht und erhielt erst beim jüngsten Auftritt des VfL gegen Emsdetten ganz hervorragende Kritiken.

Überhaupt glaubt der VfL, in dieser Partie den Turnaround vollbracht zu haben. Wie bei nahezu allen Teams der Liga sind auch bei der Sieben von Trainer Torge Greve die Leistungen mitunter ziemlich schwankend. So hatte der VfL zwar noch Anfang November den Meisterschaftskandidaten Coburg in eigener Halle deutlich mit 28:22 in die Knie gezwungen, danach allerdings gleich dreimal in unmittelbarer Folge gegen Wilhelmshaven (A), Hagen (H) und auch Essen (A) beide Punkte abgegeben.

Insgesamt setzt Lübeck-Schwartau, das sich einen Platz unter den besten fünf Mannschaften der Liga zum aktuellen Saisonziel gesetzt hat, darauf, innerhalb der nächsten Jahre in der ersten Liga aufzutauchen. Für diese Saison erhofft man sich von den Neuzugängen Sigtryggur Dadi Runarsson (Balingen/Weilstetten), Marcel Möller (Altenholz) und Finn Kretschmer (Stuttgart) eine weitere Steigerung des VfL-Potenzials.

Doch nicht nur auf dem Feld will der VfL, der als heimstark gilt, sich kontinuierlich entwickeln. Dazu zählt genauso den aktuellen Etat von 1,2 Millionen Euro noch weiter aufzustocken wie die Spielstätte zu modernisieren. Wobei der VfL schon derzeit mit knapp 1900 Zuschauern pro Spiel – das sind rund 250 Besucher mehr pro Begegnung als Großwallstadt – zu den führenden Vereinen zählt. Eine wohl in der Planung befindliche Multifunktionsarena in Lübeck mit 4500 Zuschauern könnte die Attraktivität weiter steigern. Der relativ breite und zudem qualitativ recht hochwertige Kader soll seinen Teil dazu beitragen.

Zunächst einmal wird die Aufgabe für den VfL Lübeck-Schwartau allerdings Großwallstadt heißen. Der TVG stellt immerhin gleich zweimal einen momentan in der Torschützenliste führenden Spieler: Kein Feldspieler hat häufiger getroffen als Michael Spatz und kein Torhüter mehr Treffer erzielt als Jan-Steffen Redwitz. Dieses Duo war auch schon gegen den damaligen Tabellenführer Essen einer der Erfolgsgaranten und soll nun auch im Norden wieder stechen. Der TVG will jedenfalls nichts unversucht lassen, nach bislang nur einem Unentschieden in der Fremde auch bald einen ersten Sieg folgen zu lassen.

Teilen auf