Manchmal kann Handball sehr einfach sein. Zumindest für den umjubelten Helden an diesem Freitag im September 2017. Henning Schopper, der das rote Trikot der HSG Rodgau Nieder-Roden trägt, scheint sein Glück selbst kaum fassen zu können. Mit so etwas, was man wohl auch nach eigenem, fairem Bekunden als Sonntagsschuss bezeichnen könnte, hat der Linkshänder gerade das hessisch-bayerische Grenzderby zugunsten des Hausherrn entschieden. Ganz neu ist das Gefühl für den TV Großwallstadt nicht. Schon in der vorletzten Saison hatte die Mannschaft in der dortigen Sporthalle sich geschlagen geben müssen. Diesmal allerdings ist alles noch eine Spur spektakulärer, atemberaubender und tragischer.

Obwohl ohne die Leistungsträger Florian Eisenträger, Lars Spieß und Mario Stark angetreten, liefert der TVG der HSG nämlich einen offenen Schlagabtausch, liegt selbst noch 22:23 in Führung und hat wenige Sekunden vor Schluss die Chance, zum 23:24 zu treffen und damit die Partie zu entscheiden. Der Gast scheitert allerdings von Linkaußen und im Gegenzug ist es ausgerechnet Henning Schopper, der frühere TVG-Junioren-Spieler, der einfach in Richtung Tor wirft und mit seinem Treffer echte Jubeltänze auslöst.

Beginn einer langen Serie

Dennoch ist dieser 29. September 2017 aber auch ein zentraler Markstein in der bisherigen Spielzeit des TV Großwallstadt. Unter der Ägide von Trainer Manfred Hofmann hat der TVG nämlich direkt danach einen Siegeszug gestartet, der über Erfolge gegen Coburg II (A), Leutershausen (H), Magdeburg II (H), Bruchköbel (H), Erlangen II (A), Northeim (H), Großsachsen (A), Groß-Bieberau/Modau (A), Hanau (H), Bernburg (A), Gelnhausen (H), Baunatal (A) sowie Bad Neustadt (A) bis zum heutigen Samstag andauert.

Nachdem also bereits gegen Gelnhausen und Baunatal erfolgreich sportliche Wiedergutmachung für die Hinspielniederlage gelungen ist, gilt es nun auch gegen Rodgau Nieder-Roden Revanche zu nehmen. Die Aufgabe dabei ist durchaus anspruchsvoll, nicht umsonst steht der Kontrahent auf Rang drei der Tabelle.

Rodgau Nieder-Roden, das vom ehemaligen Trainer der TVG-Junioren-Akademie Jan Redmann betreut wird, verfügt über einen hochklassigen und eingespielten Kader. Die HSG, die in fremden Hallen mit 11:9-Punkten zu den drei Teams zählt, die eine positive Punktebilanz aufzuweisen haben, hat ihren besten Torschützen in Linkshänder Timo Kaiser aber auch ansonsten eine Reihe bewährter Kräfte wie Torwart, Marco Rhein, Abwehrstratege Philipp Keller oder Torjäger Michael Weidinger. Letztgenannter, den sie im benachbarten Hessen respektvoll „Air Weidinger“ nennen, gehört zu einer ganzen Handvoll an Akteuren, die im hiesigen Bezirk oder sogar in Großwallstadt selbst groß geworden sind. Stammt der Rückraumspieler aus Alzenau, zählen auch Felix Hain und Henning Schopper aus Nachbarorten zum Kader. Sogar unmittelbar aus der Gemeinde Großwallstadt selbst stammt Kreisläufer Florian Stenger.

Zuversicht allenthalben

„Es gibt sicherlich ein schönes Spiel, und wir haben ja auch noch etwas gutzumachen“, verspricht sich TVG-Trainer Manfred Hofmann vom Aufeinandertreffen der beiden lokalen Platzhirsche einiges. In der Tat waren bislang alle fünf Duelle beider Mannschaften um Pflichtspielpunkte packend, spannend und vor allem sehenswert. So ist es kein Wunder, dass auch die Gegenseite im Vorfeld durchaus erwartungsfroh ist, wie deren Übungsleiter Jan Redmann es zum Ausdruck bringt: „Wir hoffen, dass viele den kurzen Weg zum TVG mitfahren. Wir wollen schon versuchen, die Punkte zu klauen, zumal wir ohnehin die Letzten waren, die sie Großwallstadt abgenommen haben.“ Aggressiv und motiviert war der Tabellendritte zuletzt in der Abwehr aufgetreten, geduldig zudem im Angriff. Ob das auch Mittel sind, die gegen den TVG ein zweites Mal in dieser Saison zu Trumpfkarten werden können? Manfred Hofmann hat darauf eine unmissverständliche Antwort parat: „Wir wollen bis Rundende alle Spiele gewinnen!“ Wer würde ihm, kurz nach seinem runden Geburtstag, diesen Wunsch abschlagen wollen?

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