Höchst unterschiedliche Entwicklungen

Größer könnten die Unterschiede kaum sein, wenn der TV Großwallstadt am Faschingssamstag, ab 19:30 Uhr, zum Gastspiel beim HSC Bad Neustadt antreten wird. Gute Laune scheint nämlich im einzigen innerunterfränkischen Vergleich der ganzen Spielklasse, momentan eher ein Privileg der Gäste zu sein. Während der TVG derzeit von Sieg zu Sieg eilt, hat der Gastgeber aus der fränkischen Rhön eine längere Durststrecke hinter sich. Nur eine seiner acht Partien seit Anfang November konnte der HSC gewinnen.

Abstand wächst beträchtlich

Entsprechend haben sich beide Mannschaften zuletzt auch in der Tabelle auseinanderentwickelt. Während der HSC nach einem 5:2- und 9:4-Punktestart in dieser Runde sogar schon Tabellenzweiter war, ging es in jüngster Vergangenheit ziemlich bergab. Am zwölften Spieltag kletterte Großwallstadt erstmals auf den Platz an der Sonne, während der Stern des HSC Bad Neustadt, damals Tabellenvierter, seitdem kontinuierlich gesunken ist. Mittlerweile müssen sich die Handballer aus dem Rhön-Grabfeld-Kreis sogar Sorgen um den Ligaerhalt stellen. Als 13. der Tabelle belegen sie aktuell den letzten Nichtabstiegsplatz der Staffel, der allerdings nur den Abstand von einem Punkt auf einen in die Oberliga führenden Rang aufweist. Derzeit müsste das Trio BruchköbelGelnhausen und Bad Blankenburg die Klasse verlassen.

Vorfreude in Unterfranken

„Auch wenn wir uns in einer absolut prekären Situation befinden und mitten im Abstiegskampf stecken“, sagt Heimspielführer Maximilian Schmitt, „ist es immer wieder eine Ehre, gegen meine Freunde und den TVG zu spielen.“ Die Vorfreude auf der anderen Seite dürfte kaum geringer sein. Großwallstadt hat nämlich nicht nur jene Mannschaft, die dem HSC in seinen ersten sieben Saisonspielen die zweite Niederlage beibrachte, auch darüber hinaus stellt der erste Vergleich mit Bad Neustadt Ende September einen Wendepunkt in der bisherigen Runde dar. Es war nämlich das erste Spiel, in dem Manfred Hofmann als Trainer auf der Bank saß. Seitdem hat der TVG unter widrigen Umständen die unmittelbar folgende Begegnung in Rodgaugegen Rodgau Nieder-Roden verloren, danach aber zwölfmal gewonnen.

Manfred Hofmann weiß allerdings, dass auch auf dem Schulberg in Bad Neustadt die Partie wieder mit 0:0 beginnen wird: „Du darfst Bad Neustadt nicht unterschätzen. Ein Heimspiel, und dann auch noch gegen den Tabellenführer, – da will jeder glänzen.“ Bei aller sportlichen Rivalität wird der eine oder andere aus dem Großwalstädter Lager dann aber wohlmöglich doch auch zwei Heimakteuren die Daumen für ein gutes Spiel drücken. Jener bereits erwähnte Maxi Schmitt und auch Martin Bieger sind nämlich am bayerischen Untermain alles andere als Unbekannte. Der eloquente Schmitt, der aus Lohr stammt, trug auch schon das Trikot der TVG-Junioren-Akademie und wurde mit ihr unter anderem deutscher A-Jugend-Vizemeister. Derzeit gehört er der Mannschaft an, die sich deutscher Meister im Beachhandball nennen darf, ist als Referendar auf dem Weg Grundschullehrer zu werden und vor allem ein schneller und spielstarker Mittelmann. Ebenfalls aus der Kaderschmiede des TVGroßwallstadt ist Linksaußen Martin Bieger bekannt. Der Ausbildung wegen hat es ihn zu Saisonbeginn in die Rhön verschlagen, und dort beweist der letztjährige TVG-Junioren-Kapitän, dass er auf dem Feld mitunter schon meisterhaft agiert.

Daneben hat der HSC allerdings auch ansonsten einen durchaus überdurchschnittlich besetzten Kader. Gedacht sei nur an den momentan allerdings verletzten torgefährlichen Rechtsaußen Jan Wicklein oder den charismatischen US-Amerikaner Gary Hines im Rückraum. Mit neuem Trainer, Christoph Kolodziej aus dem Stab des Bayerischen Handball-Verbandes, sollte es jedenfalls beim HSC wieder aufwärts gehen.

Das nächste Derby wartet

Aufbauarbeit Nordost kann und will der TVG allerdings bei aller Sympathie nicht leisten. „Wir sollten mit einer gehörigen Stange Respekt hinfahren“, fordert Manfred Hofmann seine Spieler auf, eine ausgelassene Faschingsstimmung in der Bürgermeister-Goebels-Halle am besten gar nicht erst entstehen zu lassen. Ohne einige Leistungsträger wird die Mannschaft abermals zusammenrücken und auf ihre fahr- und anfeuerungsfreudigen Anhänger bauen. Im letzten Jahr funktionierte diese Kombination sehr gut und endete nach kuriosem Spielverlauf mit einem 30:20-Sieg. Ein überzeugender Auftritt würde auch Rückenwind bedeuten für das dann anstehende Heimspiel gegen den Ligazweiten Rodgau Nieder-Roden.

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