Nach fünf Jahren im Unterhaus der Bundesliga scheinen die Rimparer Wölfe an einem Scheideweg angelangt zu sein – finanziell und sportlich. Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren der Sportstandort Würzburg, von dem Rimpar ein Vorort ist, ziemlich gemausert. Waren noch im letzten Jahrzehnt doch eher unbedeutende Wasserballer oder Tischtennisspieler mitunter Aushängeschilder der unterfränkischen Bezirkshauptstadt, muss der Handball nun mit Basketball und Fußball um Zuschauer und Finanzen konkurrieren. Die Baskets gehören zwar schon seit längerem (wieder) zur ersten Garde der nationalen Sportlandschaft, aber auch die Fußballer der Kickers schnellten kurzzeitig bis in die zweite Liga empor.

So muss Manager Roland Sauer, der umtriebig seit vielen Jahren die Geschicke des Vereins leitet, einräumen, dass es trotz allen sportlichen Erfolgs derzeit nicht gelingt, den Etat über die Millionengrenze zu hieven. So gehören die Wölfe zu jenen Teams, die in der Liga eher jeden Euro umdrehen müssen und sich auch über alternative Erfolgskonzepte Gedanken machen müssen. Nachdem man bereits vor geraumer Zeit der einst angestammten Dreifachsporthalle in Rimpar als Spielort zugunsten einer größeren Arena in Würzburg Lebewohl gesagt hat, zählt dazu auch, die Idee, die Stadt in den Namen aufzunehmen.

Der Spielraum ist begrenzt

Doch nicht nur der Blick in den Geldbeutel löst einige Sorgenfalten aus. Auch sportlich musste der Verein, der vor Jahresfrist um ein Haar noch in die erste Bundesliga aufgestiegen wäre, zuletzt einige Rückschläge wegstecken. Dazu zählt vor allem, dass die beiden langjährigen Leistungsträger und Identifikationsfiguren Stefan Schmitt und Sebastian Kraus ihre Handballtreter an den Nagel hängten.

Der rasche Aufstieg des Vereins von den Niederungen der unterfränkischen Klassen hinein in den nationalweit betrachteten Sport ist nämlich gerade auch mit den Namen des Duos und jenem von Max Brustmann eng verknüpft. Die drei Weggefährten haben über Jahre das Gesicht des Vereins geprägt und für eine positive Grundstimmung gesorgt. Nun ist davon nur noch Max Brustmann übriggeblieben, der wiederum allerdings nach wie vor ganz unzweifelhaft zur ersten Torhütergarde der Liga zu rechnen ist.

Wiedersehen mit Bekannten

Neben dem eigenen erfolgreichen Nachwuchs, dem sicherlich auch noch der momentan allerdings aufgrund eines Kreuzbandrisses verletzte Linksaußen Dominik Schömig zuzuzählen ist, profitiert der Weg der Wölfe allerdings pikanterweise auch ausgerechnet von der Akademie des heutigen Gastgebers sehr. Tatsächlich sind die Wölfe in den zurückliegenden Jahren auf jeder Position schon mit einem in Großwallstadt ausgebildeten Akteur aufgelaufen. Auch heute wird mit Spielführer Patrick Schmidt, dem wurfstarken Steffen Kaufmann, dem talentierten Patrick Gempp und dem zuverlässigen Andreas Wieser ein Quartett mit noch leichtem Stallgeruch der TV Großwallstadt Junioren-Akademie im Kader stehen.

Frühzeitig Licht und Schatten

Wohin der Weg der Wölfe in der laufenden Runde führen wird, ist noch nicht klar. Glänzten sie im DHB-Pokal mit einem Sieg gegen den Bundesligisten TVB Stuttgart, mussten sie sich eine Woche später im Ruhrgebiet dem TUSEM Essen unerwartet klar geschlagen geben. Gar mit zweistelliger Differenz lagen die Gäste dort mitunter im Rückstand. Es bleibt abzuwarten, inwieweit es Trainer Dr. Matthias Obinger – der als absoluter Fachmann gilt – in der Zwischenzeit gelungen ist, sein Team wieder aufzurichten. Nachdem die Wölfe bislang alle Vergleiche gegen den TVG verloren haben, werden sie punkten wollen.

Im Lager des TVG ist die Ausgangslage freilich eine kaum andere. Nach einem Unentschieden und einer Niederlage zum Auftakt der Runde, ist das Team rund um Trainer Florian Bauer nun ebenfalls fest entschlossen, dass die Punkte zum fünften Mal beim TVG verbleiben sollen. Ein Unterfangen, das dadurch, dass sich Spielführer Florian Eisenträger jüngst in Hamm die Hand gebrochen hat und Rückraumspieler Lars Spieß zumindest lange Zeit an den Folgen eines Mittelfußbruches laborierte, nicht unbedingt einfacher wird. So setzt man in Reihen der Großwallstädter einmal mehr auch im Ausweichort Aschaffenburg auf die Unterstützung der treuen Fans, die ja vielleicht sogar zum Zünglein an der Waage werden könnten. Für spannende 60 Minuten scheint jedenfalls im Lokalduell einmal mehr gesorgt zu sein.

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